In zehn Kapiteln tauchen Sie in die Zeit des frühen 17. Jahrhunderts ein. Die damaligen Lebensverhältnisse und geschichtlichen Ereignisse werden jeweils aus zwei Blickwinkeln beleuchtet: dem historischen und dem naturwissenschaftlichen. Diese beiden parallelen Erzählstränge ergänzen sich gegenseitig und bieten ein umfassendes Bild des Dreißigjährigen Krieges und des Lebens im frühen Barock.
1 Das einzigartige Grab
Wer sind die 125 Soldaten in dem Grab? Wie wurde es entdeckt und ausgegraben? Wer hat die zahlreichen Untersuchungen durchgeführt?
Unmittelbar nach Betreten der Museumsräume entdecken Sie eine Inszenierung aus Soldaten-Silhouetten. Durchschreiten Sie die Gruppe der Söldner und lernen Sie die persönlichen Schicksale der Gefallenen kennen. Die Forscher, die die Ausgrabung durchgeführt und die Söldnerschicksale rekonstruiert haben, stellen sich vor.
2 Zeitsprung in den Dreißigjährigen Krieg
Wie lebten die Menschen im Dreißigjährigen Krieg? Wie schützten sie sich? Wie gingen sie mit Hunger und Elend um?
Originale Schriften und archäologische Funde geleiten Sie ins frühe 17. Jh. Mit dem Blick des Anthropologen lassen sich an menschlichen Skeletten die Ernährungsweisen der Stadt- und Landbevölkerung ablesen. Wiederentdeckte Schatzfunde belegen die Ängste der Menschen vor Übergriffen und Verlust in dieser Unruhezeit.
3 Der Weg in die Armee
Wann und wie wurde man Söldner? Was bewegte die Menschen dazu, einem Regiment beizutreten? Bot die Armee wirklich ein neues Zuhause?
Die Anwerbung und Musterung von Söldnern verlief in deutschen, schwedischen oder schottischen Regimentern sehr unterschiedlich. Die Funde von Wittstock zeigen, dass die militärischen Vorschriften nicht immer streng angewendet wurden.
4 Mit Schwert und Muskete
Welche Waffen gab es in den Schlachten? Welche Kriegstaktiken wendeten die Feldherren an? Wie erkannten sich Freund und Feind während des Kampfes?
Originale Waffen, Kleidungsbestandteile und Ausstattungsgegenstände des Heeres führen Sie in die Militärwelt des 17. Jh.s. Reich bebilderte Kriegshandbücher erläutern die zeitgenössischen Neuerungen in der Waffentechnik und Kampfformation. Die zahlreichen Munitionsfunde vom Wittstocker Schlachtfeld werden kriminaltechnisch analysiert.
5 Der Berufsalltag
Wie sah der Berufsalltag eines Soldaten aus? Was musste er körperlich erdulden?

Marschierende Soldaten soweit das Auge reicht aus "Et Pace et Bello" von Stefano della Bella, Moravska Galerie Brünn © public domain
Lange Märsche, gewaltige Schanzarbeiten und Exerzierübungen mit den schweren Waffen hinterließen deutliche Spuren an den Knochen der Soldaten. Die Geschehnisse während der zwei Wochen vor der Schlacht bei Wittstock führen das anstrengende und unstete Leben in allgegenwärtiger Gefahr eindrücklich vor Augen.
6 Lagerleben und soziale Verhältnisse
Wie lebten die Söldner im Heerlager, wie die Frauen und Kinder im Tross? Wie ernährten sich diese »mobilen Großstädte«? Wie verbrachten die Menschen ihre freie Zeit?
In einer rekonstruierten Zeltstadt stehen Sie inmitten des Lagerlebens: Historische und archäologische Exponate lassen die enormen sozialen Unterschiede zwischen Offizieren und einfachen Soldaten sichtbar werden.

Die Nahrung verursachte bei einigen Söldnern enorme Kariesschäden sowie ein Abkauen der Zähne bis auf das Zahnbein © BLDAM Foto: B. Jungklaus
Die Folgen der damaligen Lebensbedingungen werden an ausgewählten Knochenexponaten demonstriert.
7 Medizinische Versorgung
Was tat man bei Verletzungen und Krankheiten im Heer? Warum kosteten Seuchen und Epidemien weit mehr Menschen das Leben als die Schlachten? Wie sahen die Soldaten aus?
Größere und kleinere Verwundungen waren an der Tagesordnung. Aber anders als heute konnte nur wenig für die Verletzten und Kranken getan werden. Oft waren medizinische Laien am Werk, die durch ihre Behandlungen das Leiden nur verschlimmerten. Die katastrophalen hygienischen Bedingungen boten keine guten Heilungsvoraussetzungen. Eine dreidimensionale Gesichtsrekonstruktion macht es Ihnen möglich, einem der Söldner Auge in Auge gegenüber zu stehen.
8 Die Schlacht und die toten Soldaten

Historische Dokumente und archäologische Erkenntnisse liefern ein genaues Bild der Schlacht © BLDAM Foto: D. Sommer
Was genau geschah am 4. Oktober 1636? Wer stellte sich wo für die Schlacht auf? Wie und woran starben die begrabenen Söldner? Wie hoch waren die Verluste?
Mit kriminalistischem Gespür werden die Augenzeugenberichte und historischen Karten ausgewertet.
Moderne Luftbildbeobachtungen und die Vermessung hunderter von Bleikugeln vom Schlachtfeld erlauben die weit reichende Rekonstruktion der Schlacht. Tauchen Sie in einer Videoinstallation filmisch in ihren Verlauf ein.
Forensische und traumatologische Untersuchungen der Knochen klären die Verletzungen und konkreten Todesursachen. Wiederholte Mehrfachverletzungen durch unterschiedliche Waffen lassen die Rage und Grausamkeit der Schlacht erahnen.
9 Das Grab und seine Funde
Wer hat die Söldner begraben und wer sie vorher ausgeplündert? Liegen Freund und Feind in einem Grab?
Das außergewöhnliche Grab mit den in mehreren Lagen übereinander bestatteten Soldaten, besitzt keine Parallelen. Die Herkunftsbestimmung der einzelnen Söldner belegt die multinationale Zusammensetzung der Armeen bis ins Grab. Eine künstlerische Inszenierung im Gewölbekeller des Pauliklosters ist der stille, emotionale Höhepunkt am Ende der Ausstellung.
10 Ausblick
Wo gibt es weitere interessante Ausstellungen?
Archäologische Ausgrabungen bringen mehr und mehr Relikte kriegerischer Auseinandersetzungen unserer Vergangenheit hervor. Auf einer großen Landkarte werden zahlreiche interessante Ausstellungen und authentische Orte aus dem Dreißigjährigen Krieg vorgestellt.


















