Anthropologie – Was verraten die Knochen?
Dr. Bettina Jungklaus
Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, Wünsdorf
Menschliche Skelette sind für die Forscher biohistorische Urkunden, die detaillierte Aussagen zum Leben in vergangenen Zeiten ermöglichen. Die Anthropologin hat die Knochen jedes einzelnen Söldners genau untersucht. Somit ermittelt sie für jedes Skelett die Individualdaten, wie Sterbealter und Körperhöhe sowie die Belastungen durch Krankheiten und den oftmals harten Alltag. Diese liefern konkrete Einblicke in die Umstände eines Söldnerlebens während des Dreißigjährigen Krieges.
Archäologie – Moderne Archäologie braucht moderne Methoden
Anja Grothe M.A.
Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, Wünsdorf
Wichtiges Handwerkszeug der Archäologie des 21. Jahrhunderts sind computergestützte Vermessungsgeräte, Digitalfotografien, Luftbilder und Datenbanken. Die Archäologin wertet die aufwändige Dokumentation der Ausgrabung und der Surveys aus. Sie rekonstruiert den Grabbau, die Abfolge der Bestattungen, erstellt Karten und erzielt mit der Auswertung der Funde aus dem Grab und vom Schlachtfeld neue Erkenntnisse zum Ablauf der Kämpfe.
Historische Recherche – Was geschah am 4. Oktober 1636?
Dr. Sabine Eickhoff
Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, Wünsdorf
Zahlreiche zeitgenössische Berichte, Schlachtkarten, Aufstellungsordnungen, Flugblätter und Gemälde vermitteln ganz unterschiedliche Bilder von der Schlacht bei Wittstock. Wer sagt die Wahrheit und wer verfälscht die Fakten? Die Archäologin und Historikerin trägt die Informationen zur Schlacht und zu den beteiligten Söldnern zusammen. So entwickelt sich die Basis für eine Rekonstruktion des Schlachtablaufs.
Archäometrie – Die Chemie der Knochen
Prof. Dr. Gisela Grupe
Departement Biologie I, Bereich Biodiversitätsforschung / Anthropologie der Ludwig-Maximilians- Universität München
Die Spezialistin für archäometrische Untersuchungen liest aus kleinsten chemischen Bestandteilen des Knochens die gespeicherten Lebensdaten eines Menschen heraus. Über die Analyse dieser so genannten stabilen Isotope kann sie aus dem Zahnschmelz der Söldner deren Herkunft bestimmen. Die Isotopenverhältnisse im Knochen liefern Informationen über den Ernährungszustand eines Menschen.
Paläopathologie – Das Rätsel der Krankheiten
Prof. Dr. Dr. Michael Schultz
Zentrum für Anatomie der Universität Göttingen
Am Knochen lassen sich viele Krankheiten erkennen, auch wenn der Mensch schon lange verstorben ist. Der Paläopathologe kann unter dem Mikroskop und im Röntgenbild Strukturveränderungen erkennen und so Erkrankungen diagnostizieren. Mit diesen Erkenntnissen lassen sich die Lebensbedingungen der Söldner umfassend rekonstruieren.
Traumatologie und Forensik – Kriminalistische Spurensuche
Prof. Dr. Joachim Wahl und Dr. Hans Günter König
Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg, Arbeitsstelle Konstanz sowie ehemals Institut für Gerichtliche Medizin der Universität Tübingen
Der Anthropologe und der Forensiker sind Fachleute für die Interpretation von Verwundungen an historischen Knochen. Aus der Art und Gestalt der Verletzung, der Kenntnis der Mechanik der Gewalteinwirkungen und der physikalischen Eigenschaften des menschlichen Körpers können sie den konkreten Tathergang rekonstruieren und zu einem genauen Bild des Kampfablaufes zusammenfügen.
Luftbildarchäologie – Überblick von oben
Dr. Joachim Wacker und Dr. h.c. Otto Braasch
Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, Wünsdorf sowie Landshut
Manches kleine Detail wird erst aus größerer Entfernung sichtbar. Die beiden Luftbildarchäologen befliegen das Schlachtfeldareal zu jeder Jahreszeit. Durch negative oder positive Wuchsmerkmale im Getreide hoffen sie, die in den Schriftquellen erwähnten Schanzanlagen der kaiserlichen und sächsischen Armeen im Gelände zu erkennen.
Auswertung historischer Primärquellen – Trugen die Schotten Röcke?
Prof. Dr. Steve Murdoch
Institute of Scottish Historical Research, University of St Andrews, Schottland
Während des Dreißigjährigen Krieges bestehen die Armeen aus angeworbenen Söldnern und rekrutierten Soldaten aus vielen Ländern Europas. Der Historiker untersucht die Rolle der schottischen Offiziere und Kriegsknechte, die zu Tausenden auf dem Kontinent kämpften. Jahrelange Recherchen in Archiven an den Originalquellen ermöglichen es, zu ergründen, warum und wie sie dies taten. Die Gegenüberstellung mit anderen Nationen beleuchtet die europaweite Dimension des Konflikts.
Waffenkunde – Was tötete Individuum 24?
Jürgen H. Fricker
Dinkelsbühl
Zahlreiche Knochen der beigesetzten Soldaten zeigen schmale Einschnitte, tiefe Kerben oder runde Löcher. Mehrere Schädel und Extremitäten sind zerschmettert. Der Sachverständige für historische Waffen stellt seine umfangreiche Sammlung zeitgenössischer Waffen zur Verfügung. Durch den direkten Vergleich kann eine bestimmte Hiebverletzung einem Schwert, Säbel oder einer Hellebarde zugewiesen werden. Die Bestimmung der tödlichen Schusswaffe ist so ebenfalls möglich.
Humangenetik – Alte Gene
Dr. Rebecca Renneberg
ehem. Institut für Rechtsmedizin der Christian-Albrechts-Universität und Universitätsklinikum Kiel
Für die Analyse des Erbguts von längst verstorbenen Menschen eignen sich Zähne besonders gut, da sich die Gene hier über viele hundert Jahre erhalten können. Die Humangenetierin untersuchte Zähne der Söldner mit dem Ziel, Genmaterial zu gewinnen und so die individuellen Daten zu vervollständigen und Informationen zu deren konkretem Aussehen zu gewinnen.
Diagnostische Radiologie – Strahlen für die Forschung
Dr. Beate Rehbock
Berlin
Röntgenstrahlen durchleuchten die Knochen der Söldner und lassen auf dem Röntgenbild verschiedenste Krankheiten erkennen. Die Fachärztin für Diagnostische Radiologie Dr. Beate Rehbock führt Reihenuntersuchungen an ausgewählten Skelettelementen durch. Es werden Erkrankungen sichtbar, die von außen nicht zu erkennen sind. Damit lassen sich die Erkenntnisse zur Krankheitsbelastung vertiefen.
Gesichtsrekonstruktion – Zeig mir Dein Gesicht
Hilja Hoevenberg
Brandenburgisches Landesinstitut für Rechtsmedizin Potsdam
Die Rekonstruktion des Gesichts eines Menschen, der vor Jahrhunderten gelebt hat, ist nicht einfach. Die Rechtsmedizinerin ist mit ihrer innovativen Methode eine Expertin auf dem Gebiet der Gesichtsrekonstruktion. Mit den Knochen als Grundlage modelliert sie das Gesicht mit allen Muskeln, Haut und Haaren zu dem vollständigen Antlitz eines Söldners, der im Jahr 1636 in der Schlacht von Wittstock sein Leben verlor.
Ballistik – Unscheinbare Kugeln ermöglichen weit reichende Aussagen
Interessengemeinschaft Ostfalensucher e.V.
Braunschweig
Während der Begehungen finden die Mitglieder der „Interessengemeinschaft Ostfalensucher“ und Mitarbeiter des BLDAM hunderte Musketenkugeln und weitere Kleinfunde aus dem 17. Jh. Ballistische Untersuchungen zu Gewicht, Durchmesser und Verformungsgrad der Geschosse durch Anja Grothe ermöglichen Aussagen zum Kaliber und zur Schussentfernung. Damit kann auf die in der Schlacht verwendeten Schusswaffen und die militärische Taktik geschlossen werden.
Numismatik – Gib mir all’ Dein Geld
Burkhard Schauer
Berlin
Der Numismatiker bestimmt die Münzen vom Schlachtfeld. Er erkennt, ob es sich um „Kipper- und Wippermünzen“ von geringem Wert oder „gutes Geld“ mit einem höheren Silbergehalt handelt. Prägeort und –jahr der Münzen erlauben Rückschlüsse auf den Geldumlauf während des Dreißigjährigen Krieges. Nie in der deutschen Geschichte wurde übrigens mehr Geld vergraben und ging verloren.






















